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In der Staatsbibliothek in Rio de Janeiro (Brasilien) wird eine bisher nicht vollständig entschlüsselte Schatzbeschreibung aufbewahrt.  Die Zeichen sind die Geheimschrift eines Seeräubers und beschreiben einen Goldschatz in einer Höhle. Bisher ist es erst gelungen, die erste und die vierte Zeile zu entziffern.

Die Übersetzung der ersten Zeile lautet: "Cave picara" "Tesoro oro" = Goldschatz in der Vogelhöhle. Die Zeilen mit den verschlüsselten Ortsbezeichnungen konnten bisher nicht enträtselt werden. Um die restlichen Zeilen der gemeinfrei
gemeinfrei Geheimschrift (siehe Abbildung links) zu entschlüsseln, ist es vielleicht zweckdienlich, sich zunächst einmal mit dem Hinweis auf die Vogelhöhle näher zu beschäftigen. Danach handelt es sich um eine Höhle, in der Vögel nisten. Wenn der Goldschatz in einer Vogelhöhle versteckt wurde, dann muss es eine Höhle sein, die von Menschen begehbar ist, denn sonst hätte man dort keinen Schatz verstecken können. Solche von Menschen begehbare Höhlen in denen Vögel wohnen gibt es tatsächlich in Südamerika, die Guacharohöhlen. Der Guacharo (Fettschwalm) ein nur inVerbreitungsgebiet des Fettschwalms. Urheberschaft: Cephas, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia CommonsVerbreitungsgebiet des Fettschwalms. Urheberschaft: Cephas, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons Südamerika vorkommender Vogel, der in Höhlen nistet, ist in Venezuela, Guayana, Trinidad, Kolumbien, Ecuador und Teilen von Brasilien beheimatet. Die Guacharos sind große Vögel mit bis zu 1 Meter Flügelspannweite. Guacharos leben in Kolonien, die eine Größe von bis zu 50 Paaren und mehr  erreichen können. Da die Guacharos ihre Höhlen zur Futtersuche verlassen müssen, sind schon aufgrund der Flügelspannweite nur Höhlen mit weiten Öffnungen geeignet, die deshalb auch für Menschen zugänglich sind.  Die Größe der Kolonien setzt außerdem tiefe Höhlen (bis zu einem km) voraus. Hier kommen am ehesten Tropfsteinhöhlen infrage. Die bekannteste Höhle dieser Art, die "Cueva de Guacharo"   im Nordosten Venezuelas, ist die größte Tropfsteinhöhle Südamerikas. Bisher sind nur elf Kilometer des Inneren der Höhle erforscht, das genaue Ausmaß ist noch nicht bekannt. Gegen diese Höhle als Schatzversteck spricht aber, dass sie im Landesinneren 27 km vom karibischen Meer entfernt liegt. Piraten hatten selten Zeit und auch keine Lust, ihre Schätze in die oft unzugänglichen Gegenden im Hinterland zu transportieren. Sie wollten ihre Schätze zwar sicher verstecken, aber auch kurz- oder mittelfristig wieder zur Verfügung haben, daher lagen die Verstecke meistens auf Inseln oder zumindest in Küstennähe. Meereshöhlen, die durch die Meereserosion von steilen Felswänden verursacht werden, kamen auf den Inseln der Bocas häufig vor.  Der Zugang erfolgt meist nur auf dem Seeweg und ist wegen der Brandung in vielen Fällen schwierig. Einzelne Meereshöhlen befinden sich auf den Inseln Chacachacacare, Huevos, Monos, Gaspar Grande und L' Ance Paua. Die Höhlen, insbesondere die Huevos Höhle beherbergten bis ins Jahr 1925 noch Kolonien von Guacharos.  Die Vögel sind dort heutzutage nicht mehr anzutreffen. Gaspar Grande verfügt über zahlreiche Höhlensysteme, deren bekanntestes die im Westen der Insel gelegenen, 35 Meter tiefen Gasparee Caves sind, die Fledermäuse beherbergen und in denen sich ein unterirdischer Süßwassersee, die Blue Grotto befindet. Heute werden die Inseln der Bocas, von Einheimischen als Naherholungsgebiet für Tagesausflüge Monos, Copyright 2018, Pierre K. Eigenes WerkMonos, Copyright 2018, Pierre K. Eigenes Werkgenutzt. 

Guacharohöhlen befinden sich auch auf der Insel Monos (an der Norwestspitze von Trinidad). Monos ist umgeben von Meeresklippen. Die Insel besteht aus Dolomit und Kalkstein mit vielen Höhlen im gesamten Gebiet. Auf der Insel gibt es rund 200 Höhlen. Viele davon mit Höhlenzeichnungen, die von den ursprünglichen Einwohnern der Insel angefertigt wurden. Bis auf einige nicht dauerhaft bewohnte Ferienhäuser reicher Festlandbewohner an der Ostküste (Morrison Bay und Biscayen Bay) und in einigen Buchten der Südküste (Grand Fond Bay und Balmoral Bay) ist die vollständig von Regenwald bedeckte Insel unbewohnt. In der Morrison Bay und der Grand Fond Bay gibt es kleine Hafenanlagen.

Der Höhlenvogel Guacharo ist auch aus Höhlen der Insel Trinidad bekannt, hauptsächlich aus der begehbaren Oropuche Guacharo Cave nordwestlich von Cumaca. Durch die Höhle fließt der Nord-Oropouche-Fluss. Die Höhle ist 200 Meter lang und in drei Kammern unterteilt. An ihren Wänden leben und nisten Hunderte von Guacharos. Auch in der Dunston-Höhle im Tal von Arima sowie in der Aripo-Höhle am Cerro del Aripo existieren Populationen des Guacharos. Alle diese Höhlen befinden sich jedoch weit im Landesinnern der Insel Trinidad, und kommen als Schatzhöhle eher nicht infrage. Weitere Höhlen gibt es an der Nordseite der Northern Range, einem Gebirgszug auf Trinidad. Die Northern Ranges erstrecken sich von der Chaguarama-Halbinsel im Golf von Paria 100 km weit bis Toco am Atlantischen Ozean. Die Nordküste ist steil, felsig und wenig erschlossen, es gibt keine durchgehende befahrbare Straße. Die einzige Straße  "North Coast Road " verläuft entlang der Nordküste Trinidads nach Osten bis Blanchisseuse an der Mündung des Marianne River. Dort endet die Küstenstraße; das ca. 30 km lange Teilstück zwischen Blanchisseuse und Matelot ist unerschlossen. Von Matelot aus führt die Paria Main Road  dann weiter an der Küste entlang bis nach Grand Riviere. Ab da verläuft die Straße etwas abseits der Küste weiter bis nach Toco.  An Teilen der Steilküste sollen früher Guacharos genistet haben. Eine Besonderheit von Trinidad liegt auch in der lange sehr isolierten Lage an der Südküste von Kuba. Während des 16. und 17. Jahrhunderts waren Trinidad und die Nachbarinsel Tobago Anlaufstelle und Zufluchtsort für zahlreiche Seeräuber und Piraten, die sich dort relativ ungestört und entfernt von der spanischen Krone und deren Zentrum Havanna aufhielten. In dieser Gegend aktive Piraten, die in die Geschichte eingegangen sind, waren der jamaikanische Pirat Charles Gant, der im Jahr 1704 die gleichnamige Stadt Trinidad auf Kuba plünderte, und andere berühmt gewordene Piraten wie Inocentes, Nepomuceno oder Armenteros.

Die verschlüsselte Schatzbeschreibung kann aber auch eine Vogelhöhle auf der anderen Seite der Welt meinen. Hier gibt es auch Höhlen, in denen Vögel leben. So sind auch einige der Salanganenarten Höhlenbrüter. Die Salanganen (Collocaliini) sind eine Tribus (= Rangstufe zwischen Unterfamilie und Gattung) innerhalb der Familie der Segler (Apodidae), zu der knapp dreißig Vogelarten gerechnet werden. Salanganen kommen in Indien, Südostasien, Australien und auf den Inseln des Indischen Ozeans sowie des Südwest-Pazifiks vor. Die Vögel verfügen über gut entwickelte Fähigkeiten zur Echoortung. Diese Fähigkeit ermöglicht ihnen, sich in dunklen Höhlen zu orientieren. Ein Vertreter dieses Tribus ist die Mauritiussalangane.  Wie die meisten Salanganen verfügt auch sie über die Fähigkeit zur Echoortung, was ihr ermöglicht, ihre in Höhlen liegenden Brutkolonien aufzusuchen. Die Mauritiussalangane ist auf den beiden Maskareneninseln Mauritius und La Réunion endemisch. Als Nisthöhlen werden typischerweise Lavatunnel genutzt. Als Eingänge dienen häufig Bodenlöcher, die einen Zugang durch das Höhlendach ermöglichen. Teilweise hat sich durch den Einbruch des Höhlendachs auch ein Graben gebildet, der ihnen den Zugang zur Höhle ermöglicht. Auch die Austrittsstellen unterirdischer Wasserläufe dienen als Eingänge. Das vulkanische Innenleben von La Réunion ist von unzähligen Tunneln durchzogen, die durch Lavaströme gebildet wurden, deren Oberschicht abgekühlt ist, während das Magma seinen Lauf fortsetzte. Einige haben einen respektablen Durchmesser.

Anmerkung des Autors: Von welchem Piraten könnte die Schatzbeschreibung stammen?  Dieser müsste sich ja im südpazifischen Raum und auch in der Karibik aufgehalten haben. Wie hätte sonst die verschlüsselte Schatzbeschreibung nach Brasilien gelangen können. Henry Every ein englischer Pirat, der auch unter den Namen John Avery, Long Ben und Benjamin Bridgeman bekannt war. Every war Kapitän der Fancy. 1994 enterte die Fancy drei englische Schiffe bei den Kapverdischen Inseln, segelte um Afrika in den Indischen Ozean und kaperte ein französisches Freibeuterschiff bei der Insel Anjouan (Komoren). Etwa 40 Mann von dessen Mannschaft heuerten auf der Fancy an.

Anfang 1695 schlossen sich der Fancy weitere Piratenschiffe an, und unter Averys Führung segelte die kleine Flotte zur Mündung des Roten Meeres , wo sie die Mokka-Flotte der indischen Mogulregierung überfielen, die gerade aus Mekka zurückkehrte. Die Erbeutung der beiden voll mit Schätzen beladenen Pilgerschiffe Fateh Mohammed und Ganj-i-Sawai  erbrachte 600.000 Pfund (ca. 272 t) in Gold, Silber und Edelsteinen sowie einen als Geschenk für den Großmogul gedachten Sattel, der mit Rubinen besetzt war. Nach ihrem erfolgreichen Beutezug segelten die Piraten nach La Reunion, wo sie anhielten, um die Beute aufzuteilen. Diese Beute war mit die größte je gemachte. Ihr Wert lag nach heutiger Währung bei etwa 50 Millionen Dollar. Jeder Pirat bekam über 1000 Pfund (0,45 t), die Jüngeren 500 Pfund (0,23 t). Every bekam als Kapitän zwei Anteile (2000 Pfund (0,91 t). Avery segelte dann zu den Bahamas, wo er sich zunächst Schutz vom Gouverneur der Bahamas, Nicholas Trott, für ungefähr 7000 Pfund (3,18 t) erkaufte. Auf dem Weg dorthin hielt Every vielleicht auch an der südamerikanischen Küste an, etwa um dort seine Trinkwasservorräte auffüllen zu können. Im Juni 1695 segelten er und seine Besatzung nach Jamaika und versuchten, Königliches Pardon vom Gouverneur William Beeston zu erhalten. Sie boten ihm dafür 24.000 Pfund (ca. 11 t). Beeston lehnte jedoch ab, und so kehrte Avery auf die Bahamas zurück, wo sein Schiff entweder verkauft oder in einem Sturm an Land gefahren und zerstört wurde. Die Engländer hatten mittlerweile große Kopfgelder für die Festnahme von Avery und seinen Mitpiraten ausgesetzt. Die Piraten zerstreuten sich, um der Festnahme zu entgehen , einige ließen sich in Amerika nieder, während Avery und andere nach England zurückkehrten. Vielleicht hat Avery einen Teil seiner Beute auf La Reunion versteckt. Dort sollen noch andere Piratenschätze liegen. z. B.  der Schatz des La Buse.