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In der Staatsbibliothek in Rio de Janeiro (Brasilien) wird eine bisher nicht vollständig entschlüsselte Schatzbeschreibung aufbewahrt.  Die Zeichen sind die Geheimschrift eines Seeräubers und beschreiben einen Goldschatz in einer Höhle. Bisher ist es erst gelungen die erste und die vierte Zeile zu entziffern. Die Übersetzung der ersten Zeile lautet: "Cave picara" "Tesoro oro" = Goldschatz in der Vogelhöhle. Die Zeilen mit den verschlüsselten Ortsbezeichnungen konnten bisher nicht enträtselt werden. Die Geheimschrift ist auf Seite 41 im Handbuch für Schatzsucher von Reinhold Ostler abgebildet.

Um die restliche Geheimschrift zu entschlüsseln, ist es zweckdienlich sich zunächst einmal mit dem Hinweis auf die Vogelhöhle näher zu beschäftigen. Wenn der Goldschatz tatsächlich in einer Vogelhöhle versteckt wurde, dann muss es eine Höhle sein, die von Menschen begehbar ist, denn sonst hätte man dort keinen Schatz verstecken können. Solche von Menschen begehbare Höhlen in denen Vögel wohnen gibt es tatsächlich in Südamerika, die Guacharohöhlen. Der Guacharo ein nur in Südamerika vorkommender Vogel, der in Höhlen nistet, ist in Venezuela, Guayana, Trinidad, Kolumbien, Ecuador und Teilen von Brasilien beheimatet. Die Guacharos sind große Vögel mit bis zu 1 Meter Flügelspannweite. Guacharos leben in Kolonien, die eine Größe von bis zu 50 Paaren und mehr  erreichen können. Da die Guacharos ihre Höhlen zur Futtersuche verlassen müssen, sind schon aufgrund der Flügelspannweite nur Höhlen mit weiten Öffnungen geeignet, die deshalb auch Menschen zugänglich sind.  Die Größe der Kolonien setzt außerdem tiefe Höhlen (bis zu einem km) voraus. Hier kommen am ehesten Tropfsteinhöhlen in Frage. Die bekannteste Höhle dieser Art, die "Cueva de Guacharo"   im Nordosten Venezuelas, ist die größte Tropfsteinhöhle Südamerikas. Bisher sind nur elf Kilometer des Inneren der Höhle erforscht- das genaue Ausmaß ist noch nicht bekannt. Gegen diese Höhle als Schatzversteck spricht aber das sie im Landesinneren 27 km vom karibischen Meer entfernt liegt. Piraten hatten selten Zeit und auch keine Lust ihre Schätze in die oft unzugänglichen Gegenden im Hinterland zu transportieren. Sie wollten ihre Schätze zwar sicher verstecken, aber auch kurz- oder mittelfristig wieder zur Verfügung haben, daher lagen die Verstecke meistens auf Inseln oder zumindest in Küstenennähe.

Karte von Trinidad and Tobago. Urheberschaft: Directorate of Intelligence, CIA [Public domain], via Wikimedia CommonsKarte von Trinidad and Tobago. Urheberschaft: Directorate of Intelligence, CIA [Public domain], via Wikimedia CommonsDer Höhlenvogel Guacharo ist auch aus Höhlen der Insel Trinidad bekannt, vor allem aus der begehbaren Oropuche Guacharo Cave nordwestlich von Cumaca. Durch die Höhle fließt der Nord-Oropouche-Fluss. Die Höhle ist 200 Meter lang und in drei Kammern unterteilt. An ihren Wänden leben und nisten Hunderte von Guacharos. Auch in der Dunston-Höhle im Tal von Arima sowie in der Aripo-Höhle am Cerro del Aripo existieren Populationen des Guacharos. Alle diese Höhlen befinden sich jedoch weit im Landesinnern der Insel Trinidad, und kommen als Schatzhöhle eher nicht in Frage. Weitere Höhlen gibt es an der Nordseite der Northern Range, einem Gebirgszug auf Trinidad. Die Northern Ranges erstrecken sich von der Chaguarama-Halbinsel im Golf von Paria 100 km weit bis Toco am Atlantischen Ozean. Die Nordküste ist steil, felsig und wenig erschlossen, es gibt keine durchgehende befahrbare Straße. Die einzige Straße  "North Coast Road " verläuft entlang der Nordküste Trinidads nach Osten bis Blanchisseuse an der Mündung des Marianne River. Dort endet die Küstenstraße; das ca. 30 km lange Teilstück zwischen Blanchisseuse und Matelot ist unerschlossen. Von Matelot aus führt die Paria Main Road  dann weiter an der Küste entlang bis nach Grand Riviere. Ab da verläuft die Straße etwas abseits der Küste weiter bis nach Toco.  An Teilen der Steilküste sollen früher Guacharos genistet haben.

 Guacharohöhlen befinden sich auch auf der Insel Monos (an der Norwestspitze von Trinidad). Monos ist umgeben von Meeresklippen. Die Insel besteht aus Dolomit und Kalkstein mit vielen Höhlen im gesamten Gebiet. Auf der Insel gibt es rund 200 Höhlen. Viele davon mit Höhlenzeichnungen, die von den ursprünglichen Einwohnern der Insel angefertigt wurden.

Bis auf einige nicht dauerhaft bewohnte Ferienhäuser reicher Festlandbewohner an der Ostküste (Morrison Bay und Biscayen Bay) und in einigen Buchten der Südküste (Grand Fond Bay und Balmoral Bay) ist die vollständig von Regenwald bedeckte Insel unbewohnt. In der Morrison Bay und der Grand Fond Bay gibt es kleine Hafenanlagen. Eine Besonderheit von Trinidad liegt auch in der lange sehr isolierten Lage an der Südküste von Kuba. Während des 16. und 17. Jahrhunderts waren Trinidad und die Nachbarinsel Tobago Anlaufstelle und Zufluchtsort für zahlreiche Seeräuber und Piraten, die sich dort relativ ungestört und entfernt von der spanischen Krone und deren Zentrum Havanna aufhielten. In dieser Gegend aktive Piraten, die in die Geschichte eingegangen sind, waren der jamaikanische Pirat Charles Gant, der im Jahr 1704 die gleichnamige  Stadt Trinidad auf Kuba plünderte, und andere berühmt gewordene Piraten wie Inocentes, Nepomuceno oder Armenteros.

Weitere Höhlenvögel sind die Rußsegler, eine ausschließlich in Südamerika vorkommende Vogelart aus der Familie der Segler, die mit einer Körperlänge von etwa 200 bis 205 Millimeter und eineVerbreitungskarte des Rußseglers, Urheberschaft: von Cactus26 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)],via Wikimedia CommonsVerbreitungskarte des Rußseglers, Urheberschaft: von Cactus26 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)],via Wikimedia Commons Flügelspannweite von etwa 170 bis 175 Millimeter ziemlich groß ist. Die Brut- und Schlafplätze dieser Vögel befinden sich offenbar ausnahmslos an Felsen in der direkten Umgebung von Wasserfällen, sofern sich dort Höhlungen gebildet haben. Teilweise liegen diese Höhlen direkt hinter den Wasserfällen. Ein Großteil des Verbreitungsgebiets liegt in Brasilien. Im Norden reicht es bis zum Oberlauf des Rio Madeira, einem rechten Zufluss des Amazonas und erstreckt sich über die Bundesstaaten Mato Grosso und Pará bis nach São Paulo in Südbrasilien. Bei Rio de Janeiro am Felsvorsprung Arpoador (Harpunator) trifft das Verbreitungsgebiet dieser Vögel auf die Atlantikküste. Dieser Felsvorsprung liegt zwischen dem  Strand von Copacabana und dem Strand von Ipanema. 

Anmerkung des Autors:  Ein ganz anderer Ansatz um den Schatz zu suchen, könnte sein, es vielleicht mit einer anderen Übersetzung der verschlüsselten Schatzbeschreibung zu versuchen. Cave picara" "Tesoro oro" könnte auch bedeuten, Goldschatz bei der Vogelhöhle und nicht Goldschatz in der Vogelhöhle. Geht man davon aus, so wäre der Goldschatz nicht in einer Vogelhöhle zu suchen, sondern in der Nähe einer Vogelhöhle oder Vogelhöhlen. Damit ergeben sich ganz neue Perspektiven.  Es lohnt sich vielleicht nach einer Höhle am Felsvorsprung Arpoador zu suchen. Die Höhle ist möglicherweise nur vom Wasser aus zugänglich. Für diese Gegend spricht, das sich dort früher auch Piraten herumtrieben. Die in der Nähe liegende Ilha Grande war im 16./ 17. Jahrhundert bevorzugter Zufluchtsort europäischer Piratenschiffe und Korsaren, die sich mit den Einheimischen und Kolonisten erbitterte Kämpfe lieferten. Ein weiteres Indiz das auf die Küste bei Rio de Janeiro hinweist , ist dass die Schatzbeschreibung  in der Staatsbibliothek in Rio de Janeiro aufbewahrt wird. Interessant ist auch das im September 1711 der französische Freibeuter und Marineoffizier René Duguay-Trouin die Stadt Rio de Janeiro erobert und gebrandschatzt hatte. Dabei erbeutete er unter anderem 60 Handelsschiffe und die gesamten Jahreseinnahmen der portugiesischen Kolonie.