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Auf der Insel Mauritius wartet ein großer Piratenschatz darauf, geborgen zu werden. Wer sich mit dem Schatz von Oliver Levasseur beschäftigt, stößt früher oder später auch auf den Piraten Bernardin Nageon de L'Estang, auch le Butin genannt.  L'Estang war ein Korsar, der Ende des 17. Jahrhunderts im Indischen Ozean mehrere spanische und englische Schiffe erfolgreich kaperte. Einmal geriet das Schiff auf dem L'Estang diente außerhalb der indischen Küste in eine Schlacht mit einer großen englischen Fregatte (wahrscheinlich die "Le Flamand, 56 Kanonen"). Deren Kommandant, der Chevalier Eleonor Perier de Salvert ein Freimaurer, wurde bei dem Gefecht durch eine Kanonenkugel tödlich verletzt. Bevor er starb, gab er L'Estang, nachdem er sich von diesem hatte versichern lassen, dass auch er ein Freimaurer sei, angeblich einige Dokumente, die auf mehrere verborgene Schätze im Indischen Ozean hinwiesen. Diese solle er zum Kampf gegen die Engländer verwenden, doch L'Estang behielt sie für sich. L'Estang behauptete, er habe einige dieser Schätze gefunden, aber es seien „immer noch vier übrig“.  1750  erbte er von seinem Vater ein Stück Land in der Nähe der heutigen Blue Bay auf Mauritius. Es wird vermutet, dass er dort einen großen Schatz versteckt hat. Dabei soll es sich um mindestens drei Fässer gefüllt mit Dublonen und Goldbarren sowie eine Kupferschatulle mit lupenreinen Diamanten aus den indischen Minen von Vizapoure und Golconda handeln. Mehr als neun Millionen Euro soll der Schatz heute wert sein.

L'Estang starb 1750 in Port Louis, Mauritius (hier eine Karte von 1880).  Er hinterließ seinem Neffen Jean Marius Nagéon de l'Estang, einem Offizier der Reserve, ein Testament und mehrere Briefe, in denen er den Schatz erwähnt und ziemlich präzise Anweisungen zum Versteck gibt:  "Folge dem Lauf des Flusses in der Nähe von Pointe Vacoas, durchquere die Schlucht und nimm den Weg nach Osten, bis du die Zeichen der Korsaren siehst.“ Dieses Zeichen soll ein Gesicht im Felsen in einem Bach, in der Nähe einer zugeschütteten Höhle sein. Der Schatz wurde bis heute nicht gefunden. Pointe Vacoas liegt in der Nähe von La Cambuse und nordöstlich von Leboeuf auf der Insel Mauritius.

Urheberschaft der Originalkarte: A. (Amadeo?) Descubes, Public domain, via Wikimedia CommonsUrheberschaft der Originalkarte: A. (Amadeo?) Descubes, Public domain, via Wikimedia Commons

Ein bedeutsames Indiz dafür, dass es den Schatz tatsächlich geben kann, ist der angebliche Bericht von Ali Loumi Ben Kace, einem Seemann, der nach eigenen Angaben 2 Jahre auf dem Schiff von Bernard Nagéon verbracht hat:

„Eines Tages trank ich in einem Seehafen auf Sizilien zu viel und wachte auf einem Piratenschiff von Bernard Nagéon auf. Ich habe mehr als zwei Jahre auf diesem Schiff verbracht. […] Im Indischen Ozean kämpften wir mit zwei englischen Korvetten, mussten aber bei Nacht entlang der Küste von Bourbon Island fliehen, mit gebrochenem Hauptmast und Segeln und mit vier Löchern im Rumpf. Dann strandeten wir auf einem Riff; und nachdem wir den ganzen Ballast über Bord geworfen hatten, entkam das Boot dem Riff und wir landeten auf der Insel. Aber der Rumpf hatte ein Loch in einem Felsen, und wir waren alle gezwungen, dort zu landen. Bernard Nagéon wurde fast verrückt. Trotz der Wellen befahl er allen, zu retten, was möglich war. Wir haben es geschafft, mit dem Kapitän eine große Truhe und ein Fass Gold an Land zu bringen. […] Ich habe gesehen, wie Bernard selbst Spuren in den Lavafelsen gemacht hat: ein Herz und eine „B9“-Form – alles ist dort versteckt, weil beide Löcher jetzt wieder verschlossen sind. Wir verließen drei Wochen später die Galeere von François Boivin von Saint-Malo, Bernard ließ alles verborgen, damit Boivin nicht alles stiehlt. […].

Wenn man den Bericht des Ben Kace mit den Briefen und dem Testament von Nagéon vergleicht, ergeben sich gewisse Parallelen, die einer Schatzsuche durchaus Erfolgsaussichten einräumen.  Beides Mal ist die Rede von viel Gold, von einem Fluss, einer Höhle und einem Zeichen, das auf den Fundort hinweist.

Interessant ist auch die Theorie, dass es sich bei der Höhle um eine sogenannte Lavaröhre gehandelt haben könnte. Das sind längliche Tunnel unterhalb von Vulkanen, die entstehen, wenn die Lava abkühlt und schnell hart wird. Auf Mauritius gibt es zahlreiche mit dem Meer verbundene Lavaröhren, z. B. bei Roches Noires.  Die Theorie basiert auf Nagéons Beschreibung der Schatzhöhle in einem seiner Briefe:

 l'entrée d'une caverne jadis formé par un bras, de rivière passant sous la falaise et bouchée, par les corsaires pour y mettre leur trésor et, qui est le caveau désigné par mon testament übersetzt: der Eingang zu einer Höhle, die einst von einem Arm gebildet wurde des Flusses, der unter der Klippe hindurchfließt und erstickt von den Korsaren, ihre Schätze dorthin zu legen und das ist die von meinem Testament bestimmte Gruft.

Den Strom in der Nähe von Pointe Vacoas gibt es nicht mehr. Die Höhle oder Lavaröhre ist wahrscheinlich eingestürzt. Aber der Schatz könnte dort noch liegen, unter der Erde begraben.

Mithilfe von Echolottechnologie, einem mit Schallwellen arbeitenden elektrischen Geräts, das tief im Boden verborgene Metalle wie Gold und Silber an der Oberfläche anzeigen kann, könnte der Schatz geortet werden. Dass diese Sondierungstechnologie tatsächlich funktioniert, zeigt ein Versuch in Cheshire. Dort wurde eine Menge Metall etwa vier Meter unter einem gepflügten Feld vergraben. Zwei Männer, denen die Position des „Schatzes“ völlig unbekannt war, lokalisierten die Stelle mithilfe des Metallsuchgeräts genau.

der Eingang zu einer Höhle, die einst von einem Arm gebildet wurde
des Flusses, der unter der Klippe hindurchfließt und erstickt
von den Korsaren, ihre Schätze dorthin zu legen und
das ist die von meinem Testament bestimmte Gruft