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Mit bürgerlichem Namen Olivier Le Vasseur, war ein französischer Pirat, der um das Jahr 1720 die karibische See Richtung Indischer Ozean verlassen hatte, Historische Karte der Insel La Reunion von 1763, Urheberschaft: Atlas maritime, Bellin, 1763 [Public domain], via Wikimedia CommonsHistorische Karte der Insel La Reunion von 1763, Urheberschaft: Atlas maritime, Bellin, 1763 [Public domain], via Wikimedia Commons  da die französische und die britische Marine in der Karibik mit vereinten Kräften Jagd auf Piraten machten.  Da der gefürchtete Seeräuber seine Diebstähle in Blitzgeschwindigkeit abwickelte und ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwand, nannte man ihn auch „La Buse“, übersetzt „Der Bussard“. Am 26. April 1720 legte im Indischen Ozean im Hafen von Saint-Denis auf der französischen Insel Bourbon (heute: La Réunion) das portugiesische Schiff „Nossa Senhora do Cabo e São Pedro“, das in einem Sturm beschädigt worden war, zur Reparatur an. Das Schiff hatte seinen Hauptmast verloren und war daher manövrierunfähig. Geladen hatte es Diamanten, kostbaren Schmuck, Silber- und Goldbarren, Perlen, Gewürze und Edelsteine. Unter der Ladung soll sich auch das sogenannte „Goldene Kreuz von Goa“ befunden haben, besetzt mit Rubinen, 2,10 Meter groß, hundert Kilogramm schwer und aus reinstem Gold.  Zu den Passagieren des Schiffs zählten der Graf von Ericeira Luís Carlos Inácio Xavier de Menesesder Vize-König von Portugiesisch-Indien und Sebastião de Andrade Pessanha, der Erzbischof von Goa sowie mehrere Adelige. Am selben Tag im Jahr 1720 erreichen La Buse und der mit ihm zu diesem Zeitpunkt verbündete Pirat John Taylor die Bucht von Saint-Denis und erspähten das Schiff. Taylor befand sich mit 280 Seeleuten und 38 Kanonen an Bord der Fantasy und La Buse mit 200 Seeleuten und 36 Kanonen an Bord der Victory. Während an der „Nossa Senhora do Cabo e São Pedro“ noch die Reparaturarbeiten durchgeführt wurden, überwältigten Taylor und La Buse nach einem harten Kampf die Besatzung und kaperten das manövrierunfähige Schiff.

Die Bevölkerung von Saint-Denis konnte den Kampf nur hilflos vom Ufer aus beobachten. Die überlebende Besatzung wurde an Land ausgesetzt und auch der Graf von Ericeira wurde nach Zahlung eines Lösegeldes von 2000 Piastern freigelassen. Das Lösegeld wurde vom damaligen Gouverneur der Insel Bourbon, Joseph Beauvollierde Courchant, vorgestreckt. 1729 wurde La Buse auf Madagaskar im Hafen von Maroantsetra gefangen genommen. Er arbeitete dort als Lotse. Als er das Schiff "La Meduse" der ostindischen Kompanie, welches im Hafen anlegen wollte, bestieg, wurde er von dessen Kapitän Dhermitte erkannt und in Ketten gelegt. Er wurde nach Saint Denis auf La Reunion gebracht, wo ihn der neue Gouverneur, Pierre-Benoît Dumas unter Anwendung von Folter verhörte. Dumas selbst, ein ehemaliger Pirat, wollte den Schatz von La Buse in die Hände bekommen. Doch La Buse verweigerte die Aussage und wurde daraufhin zum Tod durch Erhängen verurteilt. Er wurde von Saint Denis nach Saint Paul gebracht. Um dort hinzugelangen, mussten er und seine Bewacher eine Schlucht, die Ravine à Malheur überqueren. Als La Buse über die schlecht befestigte Brücke schritt, die die Verwerfung überquerte, soll er zu seinen Wachen den berühmten Satz gesagt haben: „Mit dem, was ich hier versteckt habe, könnte ich die Insel kaufen."

Der Schatz von La Buse, insbesondere die wertvolle Ladung der Nossa Senhora do Cabo e São Pedro wurde nie gefunden. Historiker vermuten diesen Schatz sowohl auf der Insel La Réunion, auf Rodrigues einer zu Mauritius gehörige Insel, auf der madagassischen Insel Sainte Marie, überwiegend jedoch auf Mahé und Fregate, zwei Inseln der Seychellen. Auf Mahé, größte Insel der Seychellen und bis zu ihrer französischen Besiedelung im Jahr 1770  unbewohnt, soll eines der Rückzugsgebiete des Piraten gewesen sein. Um das Jahr  1729 wurde La Buse auf der Insel Madagaskar gefangen genommen und in Ketten nach La Reunion überführt. Dort wurde ihm der Prozess gemacht und er wurde zum Tod verurteilt. Kurz vor seinem Tod durch Erhängen in Saint Paul soll La Buse ein Schriftstück in die Menge vor dem Schafott geworfen und gerufen haben "Mes trésors à qui saura comprendre", mein Schatz demjenigen, der dies versteht. Er bezog sich dabei auf ein Kryptogramm von 17 Linien, die auf ein Stück Pergament geschrieben waren. Die von La Buse benutzte Verschlüsselung beruht offensichtlich auf dem sogenannten Freimaurer-Alphabet, einer Substitutionschiffre, bei der jedem Buchstaben des Alphabets eine bestimmte Position in einem Quadrat mit 9 Feldern zugewiesen wird. Das von La Buse verwendete Alphabet ähnelt dem der Freimaurer, mit einer Variante: Die "spitzen" Zeichen und die "nicht spitzen" Zeichen sind vertauscht. Die Entstehungszeit dieser Chiffre (Zeit: London 1717/1723, Marseille 1747) und ihre Entwicklung im 18. Jahrhundert belegen, dass diese Technik bei La Buse zeitgenössisch ist. Es wird vermutet, dass in dem Kryptogramm wichtige Landmarken verschlüsselt angegeben waren, die zum Schatz führen. Das Kryptogramm war dann für viele Jahre verschwunden.  Erst im Jahr 1923 tauchte  La Buses Kryptogramm wieder auf.  Ein Neffe einer gewissen Rose Savy von den Seychellen, hatte bei seinen Nachforschungen das Kryptogramm in einem Pariser Archiv wiederentdeckt. Rose Savy hatte auf ihrem Strandabschnitt von Bel Ombre auf der Insel Mahé im selben Jahr des Auffindens des Kryptogramms, seltsame Markierungen mit passenden Symbolen zum Kryptogramm an Felsen entdeckt. Die Markierungen waren während einer ungewöhnlich starken Ebbe sichtbar geworden. Aufgrund dieser Sachverhalte wurde vermutet, dass La Buse seinen Schatz in einer Unterwasserhöhle am Strand so versteckt hatte, dass er nur bei einem gewissen Wasserstand gefunden werden konnte. Durch ein Interview des Milwaukee Journals vom 15. Juli 1934 ist belegt, dass der damalige Konservator der französischen Nationalbibliothek, Charles de la Roncière, mit der Prüfung des Kryptogramms beauftragt wurde, welches er auch auf das 17. Jahrhundert datierte, aber nicht entschlüsseln konnte. 1949 begann der englische Großwildjäger Reginald Herbert Cruise-Wilkins am Strand von Bel Ombre ebenfalls damit, die Zeichen auf dem Kryptogramm zu studieren, um den Schatz zu finden. Es gelang ihm, 17 Zeilen zu entziffern. Danach handelt es sich um einen Freimaurercode, dessen griechische und hebräische Buchstaben einigermaßen sicher zu lesen sind, der Inhalt aber trotzdem rätselhaft bleibt. Es handelt es sich um eine wilde Mischung aus französischen und fremdsprachigen oder unverständlichen Worten. Cruise-Wilkins starb 1977 bevor er das letzte Stück Code entschlüsseln konnte und trotz aufwendiger Suchmethoden fand er außer einem Steinschloss, eine Schwertklinge, Figuren und ein paar Münzen nichts Wertvolles. Auch spätere Schatzsucher, die im Inland und im Wald der Insel Mahé suchten, konnten den Schatz nicht finden. So zum Beispiel Jacques und Edward, zwei Schatzsucher, die ihre Suche im bewaldeten Hinterland durchführten. Sie entdeckten alte Fundamente, eine alte Truhe, eine Glocke sowie Laternen und Knochen! Der Wert des Schatzes wird von Historikern auf einen heutigen Wert von bis zu 4,5 Milliarden Euro geschätzt. Die Suche nach dem Schatz von La Buse, hält bis heute an. Grabungen am Strand von Bel Ombre sind allerdings mittlerweile strikt untersagt.

Anmerkung des Autors: Als Schatzversteck kommen folgende Inseln infrage:  Seychellen, Mauritius, Sainte Marie und La Reunion. Am wahrscheinlichsten erscheint La Reunion. Als La Buse im Hafen von Saint-Denis die Nossa Senhora do Cabo kaperte, war das Schiff wegen eines beschädigten Mastes noch manövrierunfähig. Da es La Buse eilig hatte nach St. Paul zu kommen (sein Verbündeter Taylor war bereits vorausgesegelt um die im Hafen von St. Paul vor Anker liegende Ville d'Ostende anzugreifen)  segelte er hinterher und schleppte die Nossa Senhora do Cabo kurzerhand mit sich. Alte Berichte, belegen, dass La Buse und seine Männer die aufgebrachte „Nossa Senhora do Cabo e São Pedro“ bis an die Küste vor Saint-Paul schleppten. Dort sollen sie mit beladenen Beibooten an Land gegangen sein. Vom Meer aus ist dort eine markante Felsformation zu sehen, die durchaus als Landmarke gedient haben könnte. Dass La Buse den Schatz in der Bucht von St. Paul versteckt haben könnte, ist trotzdem höchst unwahrscheinlich.  Saint-Paul ist die älteste Gemeinde der Insel und war bis 1738 auch deren Hauptort. Die französische Niederlassung existiert seit dem Jahr 1642 als die Franzosen im Zuge der zweiten Inbesitznahme der Maskarenen dort an Land gingen. Der Schatztransport an Land und ein anschließendes Verstecken hätten beobachtet werden können.  Und wenn man sich vor Augen hält, was über den gefürchteten Piraten bekannt ist, dann traut man ihm alles zu, nur eines nicht: Unüberlegtheit. Viel plausibler ist die Überlegung, dass La Buse während seiner Fahrt nach Saint-Paul genügend Zeit hatte, den Schatz an Land zu bringen und zu verstecken. Wenn man von dieser Theorie ausgeht, kommt nur ein Ankerplatz infrage. Da die Küste zwischen St. Denis und St. Paul von zahlreichen Flachwasser- und Saumriffen gesäumt wird, konnte man nicht einfach überall ankern. Auf einer alten Ausschnitt aus der Originalkarte der Bourbon-Insel. Französische Kolonie (Indischer Ozean.) Urheberschaft: Victor Levasseur, Public domain, via Wikimedia CommonsAusschnitt aus der Originalkarte der Bourbon-Insel. Französische Kolonie (Indischer Ozean.) Urheberschaft: Victor Levasseur, Public domain, via Wikimedia CommonsMarinekarte aus dem Jahr 1763 ist an der Nordküste, an der La Buse entlangsegelte, nur ein einziger Ankerplatz ausgewiesen: die Bucht von Malheur. Die Bucht ist ein perfekt geeigneter Ankerplatz und vom Meer aus gut zu sehen. Dahinter liegt eine  5,6 km lange Schlucht, die vom Bach "Ravine à Malheur" durchflossen wird. In der Nähe der Mündung liegt die im Jahr 1834 gegründete Gemeinde La Possession. An diesem Ort gelangte im 17. Jahrhundert, wahrscheinlich im Jahr 1638, die Insel offiziell in den Besitz des französischen Königs. Der Kapitän des Schiffs „Saint Alexis“, Roger Le Bourg ankerte in der Bucht und nahm die Insel durch Anschlagen des Königswappens an einem Baum vorsorglich in Besitz (la possession, zu Deutsch Besitz). Diese damals ganz mit Wald bedeckte Gegend blieb lange Zeit Besitz des Königs, man konnte dort weder siedeln noch jagen. Die Bucht erhielt den Namen Possession de Roy und bis 1690 durfte sich niemand auf den königlichen Ländereien niederlassen. Erst 1675 wurde die Bucht von Jean Marquet kolonisiert, dessen Name dort heute eine Bucht trägt.  Die ersten Konzessionen stammen aus dem Jahr 1699, einer der ersten Bewohner war Texer de Mota, ein Portugiese aus Indien. Er baute Zuckerrohr auf einem riesigen Gebiet an, das von der Schlucht von Marquet bis zur Schlucht von Malheur reichte. Sein Wohnhaus baute er am Strand, 10 km von anderen Wohnungen entfernt.  Der Bau wurde von den Behörden geduldet, da das Haus auch als Gasthaus für die Reisenden diente, die zwischen St. Paul und St. Denis unterwegs waren. Die Bucht von Malheur war also zu Zeiten des La Buse mit Ausnahme der Zuckerrohrplantagen noch weitestgehend menschenleer. Sie ist nicht nur ein guter Ankerplatz, sondern La Buse hätte dort auch seine Trinkwasservorräte auffüllen können. Das Hinterland der Bucht war auch ein ideales Schatzversteck.  Das Schatzversteck befindet sich aber wahrscheinlich nicht allzu weit von der Küste entfernt, denn allein das Kreuz von Goa war nicht einfach zu transportieren. Immerhin 2,10 Meter groß und  100 kg schwer bedurfte es zweier Männer, um es zu tragen.

Besondere Aufmerksamkeit sollte man der Bucht und dem Hinterland auch deshalb widmen, weil nach seinem Prozess in der Hauptstadt St. Denis La Buse ja seinen Bewachern gegenüber erwähnt haben soll: "avec ce que j'ai caché ici, je pourrais acheter toute cette île", übersetzt: "mit dem, was ich hier versteckt habe, könnte ich diese ganze Insel kaufen". Meinte er mit "hier"die Bucht oder die Insel.  Wohl eher die Bucht, denn auf dem Weg zu seiner Hinrichtung führten Wachleute Le Vasseur über eine Brücke des Baches in der Schlucht  "Ravine à Malheur". Beim Blick auf den Bach soll der Todgeweihte diese Worte gesagt haben.

Bucht von La Possession, Réunion. Urheberschaft: Henri Georgi (Vers 1853-1891), Public domain, via Wikimedia CommonsBucht von La Possession, Réunion. Urheberschaft: Henri Georgi (Vers 1853-1891), Public domain, via Wikimedia Commons

Bucht La Possession heute. Urheberschaft: Thierry Caro, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia CommonsBucht La Possession heute. Urheberschaft: Thierry Caro, CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons

PS: Nachdem sich die Wege Taylors und La Buses 1722 nach einem Streit getrennt hatten, lebte La Buse auf der Insel Sainte Marie vor der Ostküste Madagaskars. Dort ging er halbherzig auf ein Amnestieangebot ein, das Frankreichs König und der Gouverneur der Insel La Reunion den Piraten machten. La Buse versprach, nie mehr als Seeräuber die Meere zu besegeln. Die andere Bedingung für eine Amnestie, die Umsiedlung auf die Insel La Reunion, erfüllte er jedoch nicht. Warum nicht, wenn doch dort sein Schatz versteckt war?