Der Schatz des Captain Kidd

Ein schottisch-amerikanischer Freibeuter kaperte am 30. Januar 1698 die Quedagh Merchant – ein armenisches Schiff, das angeblich voll beladen war mit Gold, Silber und anderen Wertgegenständen aus Ostindien. Im Juni 1699 ankerte William Kidd vor Gardiners Island an der Ostküste der USA. Er vergrub dort mit Einverständnis der damaligen Inselbesitzerin einen Teil der von der Quedagh Merchant erbeuteten Schätze. Nach der Verhaftung Kidds wurde der Schatz ausgegraben und den Behörden übergeben. Er bestand aus Goldstaub, Silberbarren, spanischen Goldmünzen, Rubinen, Diamanten, silbernen Kerzenleuchtern und Schalen und hatte einen damaligen Wert von ca. 30.000 Dollar. Es soll sich dabei aber um nur einen kleinen Teil der Beute der Quedagh Merchant gehandelt haben.

Als weitere Verstecke gelten Charles Island (siehe Bild rechts), vor der Küste von Milford (Connecticut), USA und Oak Island an der Ostküste von Nova Scotia, Kanada. Charles Island hat eine Fläche von ca. 57.000 m² und liegt im Long Island Sound vor der Küste von Milford (Connecticut), USA. Sie ist heutzutage unbewohnt. Bei niedriger Ebbe ist die Insel über einen Tombolo (Landstreifen) vom Land aus zu Fuß erreichbar. Die Insel soll früher Ansantawae einem Häuptling der Paugussett vom Volksstamm der Algonkin als Sommersitz gedient haben. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ sich dort der Farmer Charles Deal, der die Insel gekauft hatte, nieder um Tabak anzupflanzen. Nach seinem Tod im Jahr 1685 gelangte die Insel dann in den Besitz seiner Erben in England, die aber wenig Interesse an dem Eiland hatten. Danach hatte die Insel verschiedene Eigentümer. Im 1835 erwarb der Kaufmann John Harris die Insel und baute dort ein Hotel, das aber 1868 wieder schloss. Nächster Eigentümer war die George W. Miles Company, die auf der Insel eine Fabrik zur Produktion von Fischöl und Düngemitteln aus Fischabfällen errichtete. 1886 musste die Fabrik wegen finanzieller Schwierigkeiten aber wieder schließen. Im Jahr 1927 siedelten sich Dominikaner auf der verlassenen Insel an und errichteten ein religiöses Zentrum, das aber 1938 wegen zu großer Sturmschäden aufgegeben werden musste. Letzter Eigentümer der Insel war dann der Energiekonzern United Illuminating, der in den 1950er-Jahren dort ein Atomkraftwerk bauen wollte. Dazu kam es aber nicht. 1981 erwarb der Staat Connecticut die Insel. Die mittlerweile dicht bewachsene Insel ist seit 1995 Naturschutzgebiet und darf aus Naturschutzgründen in der Zeit von Mai bis September nicht betreten werden.  Amerikanische Unterwasserarchäologen haben im Dezember 2007 in drei Meter Tiefe vor der Isla Catalina, einer winzigen Insel der Dominikanischen Republik, ein unberührtes Wrack gefunden, welches sie als die Quedagh Merchant identifiziert haben wollen.

Die Privatinsel liegt im Osten der Dominikanischen Republik und wird wegen ihrer schönen Strände ab und zu von Touristen angefahren. Am gleichnamigen Strand im Westen der Insel befindet sich eine Bootsanlegestelle und ein Restaurant mit Bar. Das vor Catalina gefundene Wrack enthielt noch die ursprüngliche Ladung, jedoch keinen Schatz. Man kann aber davon ausgehen, das Kidd den Schatz vor der Versenkung des Schiffes an sich genommen hat. Möglicherweise hat er dann einen Teil des Schatzes auf Catalina vergraben. Die Insel lag in Reichweite und war unbewohnt.


Anmerkung des Autors:
  Durch einen historischen Briefwechsel ist belegt, dass Kidd sich in Milford aufgehalten hat. Das in der Nähe gelegene unbewohnte Charles Island wäre ein geeignetes Versteck für einen Schatz gewesen. Auf der Insel haben bereits unzählige Schatzgräber erfolglos nach dem vermeintlichen Schatz gegraben. Im Jahr 1992 wurden unter Einsatz eines Bodenradars mehrere infrage kommende Objekte geortet, Da aber eine Grabungserlaubnis von den Behörden verweigert wurde, konnte ein endgültiger Beweis, ob es sich dabei um Kidds Schatz handelt nicht erbracht werden. Dies war auch die letzte offizielle Schatzsuche, denn mittlerweile steht die Insel unter Naturschutz und jede weitere Suche ist verboten. Das wird überzeugte Schatzsucher aber wohl nicht davon abhalten heimlich zu suchen

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